It's Captain Kiwi

In a land far, far away...

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Unangenehmster Tag seit Langem

Lang lang (laaaaang) ist’s her! Und es wird auch noch ein bisschen länger dauern, bis das nächste “richtige” Update kommt, aber etwas muss ich jetzt loswerden.

Ich bin gerade auf Reisen in der schönen Stadt Pereira, was an sich sehr angenehm ist, weil hier alles ein bisschen einfacher zu erreichen (und billiger) ist als in Bogotá. Aber eine Sache macht mich gerade ein bisschen fertig: Das Wetter hier ist ziemlich warm (ich bin in Risalda in der Kaffee Zone) und deshalb entschied ich mich heute dafür, einen Rock anzuziehen, da ich gestern in meinen langen Jeans fast gestorben bin vor Hitze.

Schlechte, schlechte Entscheidung. Ich ziehe hier so oder so schon ziemlich die Aufmerksamkeit auf mich, aufgrund meiner Größe und meines europäischen Aussehens, aber heute war das echt noch mal ein anderes Level. Ich habe das Gefühl, dass die Männer hier, sobald sie ein bisschen Haut sehen, komplett durchdrehen. Ich konnte nicht mal die Straße überqueren, ohne dass mir in unangenehmer Weise auf die Beine gestarrt und hinterher gerufen und gepfiffen wurde. Als ich mich für fünf Minuten auf dem Hauptplatz auf eine Bank gesetzt habe, um mich auszuruhen, setzte sich ein ca 60-jähriger Mann neben mich, und fing an, sich an mich ranzumachen und zu versuchen, mich zu überreden, mit ihm tanzen zu gehen. Als ich ihn abwimmelte und zu meinem Hotel ging, rief mir ein anderer Obszönitäten hinterher und fing an, mir hinterher zu laufen, als ich ihn ignorierte, und nannte mich “puta” (Schlampe) als ich ihn weiterhin nicht ansah.

Ein bisschen Aufmerksamkeit mag dem Ego ja vielleicht gut tun, aber so unwohl, eingeschüchtert und angeekelt wie heute habe ich mich sehr lange nicht mehr gefühlt. Ich finde es traurig, dass ich hier die Hitze in enger, viel zu warmer Kleidung ertragen muss, nur um den Blicken der Männer wenigstens ein bisschen zu entgehen; am liebsten würde ich mir die Haare schwarz färben und mir das Gesicht mit selbstbräuner einschmieren, um die Menschen um mich herum abzustoßen. Es ist wirklich unglaublich, wie degradierend man hier für sein Aussehen manchmal behandelt wird. Ich bin jetzt in meinem Hotel und traue mich schon kaum mehr raus, weil mich diese Aufmerksamkeit hier heute einfach nur fertig gemacht hat.

Jetzt verstehe ich auch, warum ich außer mir keine einzige andere Frau mit (mehr oder weniger) kurzer Kleidung gesehen hab. Mal ganz davon abgesehen, dass die Leute hier natürlich an das Wetter gewöhnt sind, ist es einfach nur unangenehm kurze Kleidung zu tragen. In diesem Sinne freue ich mich schon wieder sehr auf Deutschland!

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Mein Visum

Das mag jetzt vielleicht nicht die interessanteste aller Geschichten sein, sie ist aber sehr anschaulich, um zu verstehen, wie organisiert die Kolumbianer sind.

Alles begann damit, dass ich mein Schülervisum beantragen wollte, da man mit einem Touristenvisum nur maximal 6 Monate in Kolumbien bleiben darf. Glücklicherweise hat Jenny aus der Sprachschule mir geholfen, da man, um das Visum zu beantragen, ein eeewig langes Online-Formular ausfüllen muss und im Anschluss noch diverse Kontoauszüge, Passkopien etc. etc. anhängen muss.

Schön und gut, Online-Visum ist abgeschickt und alle fehlenden Nachweise nachgetragen, es geht weiter zum Bezahlen: Das konnte Jenny zum Glück für mich tun und ich ihr das Geld bar geben, da ich sonst zu irgendeiner Bank hätte fahren müssen.

Nun war das Visum bezahlt und ich hatte 15 Tage Zeit, um zum Passamt zu fahren, was ich auch in den nächsten Tagen tat. Im Passamt wurde ich dann erst mal von hier nach dort geschickt bis zum richtigen Raum, wo ich dann wartete, aufgerufen zu werden. Als ich dann an der Reihe war, wurde mein Visum ausgedruckt und mit Stempel in meinen Reisepass geklebt.

Puh, endlich fertig… dachte ich.

Nein, ganz im Gegenteil, nachdem ich nun mein Visum beantragt hatte, wurde ich weiter geschickt zu Migración Colombia, was ca. 15 Minuten zu Fuß entfernt war, da ich dort meine obligatorische Cédula de Extrajeros beantragen musste.

Nun gut, ist ja nicht weit weg, also auf zu MC. Nur wurde mir dann dort erklärt, dass ich erst mal ein weiteres Online-Formular ausfüllen müsse, um die CdE zu kriegen, und für dieses Formular bräuchte ich auch meine Blutgruppe.

Also gut, MC also wann anders, jetzt erst mal weiter zu dem kleinen Arzt ein paar Straßen weiter, um meine Blutgruppe rauszufinden (B positiv, für die, die es interessiert). Vom Arzt dann nachhause und das nächste Online-Formular ausfüllen, bei dem es eine Weile dauerte, bis ich verstand, dass ich ebenfalls im PDF Format eine Passkopie und Visakopie anhängen solle. Woher ich das dann endlich wusste? Nicht etwa, weil es irgendeinen Hinweis auf der Website gäbe, nein, ich habe es nur durch Annemie erfahren, die bereits das gleiche durchgemacht hatte.

Schließlich war also auch dies erledigt, nun musste ich erneut zu Migración Colombia gehen. Das tat ich dann auch zwei bis drei Tage später und nach einer vergleichsweise kurzen Wartezeit, wurde ich dann erst zum Schalter 6 gerufen, wo man sich noch einmal meinen Pass ansah, alle meine Anhaben verifizierte und mir das Geld für die Karte abnahm, bevor ich dann in einem anderen Bereich noch einmal warten musste, damit mein Passfoto gemacht werden konnte und meine Fingerabdrücke (alle 10) genommen werden konnten.

„Fertig“, wurde mir dann verkündet, „jetzt können Sie auf der Website von MC unter diesem und diesem Punkt in diesem PDF nachschauen, wann ihre Karte bereitliegt, und sie dann bei uns abholen.“

Seit etwas über einer Woche schaue ich jetzt regelmäßig nach und kann morgen dann meine Karte bei Migración Colombia abholen gehen. Und dann bin ich durch mit dem Quatsch. Endlich.

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Straßenkünstler und -verkäufer

Wie in vermutlich vielen anderen Großstädten auch, insbesondere Lateinamerikas, sieht man hier extrem viele Straßenkünstler, die in den roten Ampelphasen vor den Autos tanzen, Geige spielen, Feuer spucken oder einfach nur Fenster putzen (in dem Fall dann wohl keine Künstler).

Außerdem findet man hier an jeder Straßenecke ein bis drei Stände, oft nur ein umfunktionierter Einkaufswagen, wo Chips, Süßigkeiten, Zigaretten, Arepas, Empanadas o.ä. verkauft werden. Da die Arepas und Empanadas nicht originalverpackt, sondern frisch zubereitet sind, wird eindeutig davon abgeraten, auf der Straße Essen zu kaufen, aufgrund der hohen Luftverschmutzung hier in Bogotá, wobei ich zugeben muss, dass die Arepas bei dem Stand direkt bei uns vor der Schule schon echt fantastisch sind, auch wenn ich den Verzehr dieser wohl bei dem einen Mal belassen werde. Krank will ich nun echt nicht werden.

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Teatro Villa Mayor und der Papst

Mit Linda, der Kanadierin mit der ich auch im Mambo war, war ich ebenfalls vor einer Weile im Teatro Villa Mayor. Linda Studiert Kunstmanagement oder so in Vancouver und als sie vor ein paar Monaten durch das Studium schon mal hier in Bogotá war, hat sie ihren jetzigen Freund Alvaro kennengelernt, welcher der Direktor dieses Theaters ist.

Aufgeführt wurde an besagtem Abend ein experimentelles Tanztheater, welches, soweit ich das verstanden habe, die Schwierigkeiten des urbanen Lebens für Jugendliche oder so darstellen sollte. Ich hab zwar nicht so richtig kapiert, worum es eigentlich ging, aber trotzdem war die Aufführung extrem beeindruckend und ich war schwer begeistert von den zwei Tänzerinnen.

Die Woche drauf, nachdem Linda abgereist war, war dann der Papst zu Besuch in Bogotá, um eine Rede zu halten, woraufhin ganz Bogotá verrückt spielte. Schon seit lange vor meiner Ankunft in Kolumbien hing an jeder Busstation ein Plakat mit dem Papst und auf allen Bussen verkündete die Anzeige im Wechsel mit der Busnummer und -richtung auch „Bienvenido Papa“ (Herzlich Willkommen, Papst).

Am Tag der Rede selbst, Donnerstag, habe ich mich dann tagsüber nicht aus dem Haus gewagt. Da so viele Straßen und Buslinien gesperrt waren und so viele Menschen aus den umliegenden Städten und sogar Ländern angereist waren, war es schier unmöglich, sich irgendwie großartig in der Stadt zu bewegen, weshalb ich einfach gleich darauf verzichtet habe.

Am nächsten Tag haben wir dann natürlich in der Kommunikationsstunde in der Schule auch über die Rede geredet und auch wenn ich sie nicht selbst gehört habe, wurde mir zusammengefasst, was der Papst so gesagt hat und es schien eine sehr schöne, positive Rede gewesen zu sein, es lohnt sich also, dort noch mal nachzulesen…

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Gringo Tuesday

Der Gringo Tuesday finde jede Woche Dienstag statt (ach echt?) und ist von 17 bis ca. 21 Uhr ein Sprachtreff für Ausländer (gringos halt) und Kolumbianer, um Leute aus dem eigenen Land, aber auch Kolumbianer kennen zu lernen. Ab 21 Uhr beginnt dann die Party.

Beim Gringo Tuesday war ich mittlerweile zwei Mal, allerdings erst zur Party, und ich muss sagen, obwohl die Location echt cool ist und der Sprachaustausch bestimmt Spaß macht, bin ich kein Fan. Anfangs läuft noch gute Latino-Musik, aber wenn sie dann anfangen, die alten Gringo-Hits rauszuhauen, wie Sweet Dreams von Eurythmics oder Highway To Hell von ACDC, dann hört bei mir der Spaß auch auf.

Außerdem sind die Typen dort noch mal extra anstrengend, da viele Latinos da überhaupt nur hingehen, um sich ausländische Mädels zu schnappen, was extrem nervt. Einmal, als ich gerade keine Lust auf Tanzen hatte und am Rand saß und jemandem geschrieben habe, war ein Typ sogar so dreist, mich ungelogen 5-10 Mal zum Tanzen aufzufordern, nachdem ich ihm mehr als deutlich gesagt hatte, dass ich nicht tanzen will, weder mit noch ohne ihn. Er meinte daraufhin ich solle wenigstens aus Mitleid mit ihm Tanzen, weil es ja sooo viel Überwindung koste ein fremdes Mädchen anzuquatschen und als ich immer noch nicht wollte, packte er mich am Arm und wollte mich auf die Tanzfläche ziehen, woraufhin ich mich losmachte und meine Freunde, die das mitgekriegt haben, eine Mauer zwischen mir und dem Typen bildeten, damit er mich in Ruhe ließ.

Ich kann ja verstehen, dass man zum Gringo Tuesday geht, um jemanden anzugraben, aber das ging eindeutig zu weit und auch wenn der GT sowohl unter Ausländern als auch unter Kolumbianern sehr bekannt und beliebt ist, habe ich wenig Lust, da noch mal hinzugehen.

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The Beer Wagon

Nach dem Museumsbesuch traf ich mich dann mit Luisa, Ghazaleh und Laura bei Laura auf der Arbeit und wir fuhren mit Lauras Auto gemeinsam an den Stadtrand Bogotás und hoch in die Berge Richtung La Calera, einem kleinen Vorort Bogotás am Berghang. Dort gingen wir dann in ein Restaurant namens The Beer Wagon, von wo aus man einen unglaublich schönen Blick über die ganze Stadt bei Nacht hat und wo wir gemütlich etwas tranken und aßen und die Szenerie genossen. 

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MAMBO

Ein paar Tage nach Guatavita war ich dann nach der Schule mit einer meiner Mitstudierenden (Linda aus Kanada) im Mambo, dem Museo de Arte Moderno de Bogotá. Bevor wir ins Museum gingen, waren wir in einem sehr süßen Restaurant noch etwas kleines essen, beobachtet von seltsamen Masken an den Wänden.

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Das Museum dann war klein aber unglaublich interessant, u.a. mit einer Ausstellung von Kunstwerken der 32. Biennale in São Paulo (Brasilien) namens „Incerteza Viva“ (zu Deutsch: „unsicheres/ungewisses Leben“). Die Ausstellungsstücke hatten viel zu tun mit den Eingeborenen Kolumbiens und z.B. der Ausbeutung des Lebensraums Wasser durch Dämme und deren Wirkung auf die Tier-, Pflanzen- und Menschenwelt (davon hab ich leider keine Bilder).

Ein anderes Ausstellungsstück, genauer gesagt mehrere Ausstellungsstücke, die mir gut gefallen haben, waren eine Reihe von winzigen Figuren aus Metall, die sich in kleinen Kuben einmal rings um die Wände eines abgedunkelten Raumes zogen und von links nach rechts immer menschlicher und immer sexueller wurden.

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Die können nicht größer als 4cm^3 gewesen sein, weshalb ich umso faszinierter war von dem Detailreichtum.

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Theatron

Aber der Tag der Lagune de Guatavita war ja noch nicht vorbei, denn am Abend ging es dann auf ins Theatron mit Luisa, Ghazaleh und Ilse, einer Holländerin aus der Sprachschule. Das Theatron ist einer der größten Clubs Lateinamerikas und der größte Schwulenclub Lateinamerikas, weshalb man sich hier glücklicherweise nicht ganz so Sorgen machen musste, die ganze Zeit von irgendwelchen Typen angetanzt zu werden.

Wir waren von Anfang an etwas skeptisch, da es ja relativ oft so ist, dass die großen Clubs, die so unglaublich gehypt werden, letztendlich nicht so toll sind, wurden aber extrem positiv überrascht. Auch wenn der Eintritt etwas teuer war, gab es bis 2 Uhr morgens open Bar, was wir natürlich in vollen Zügen ausgenutzt haben.

Der Club ist so groß, dass wir uns ein paar Mal fast verlaufen haben, aber letztendlich haben wir es immer geschafft uns zu orientieren und bis auf die Dachterrasse (Zutritt nur für Männer) alles einmal angeschaut. Das Schöne war auch, dass für jeden Musikgeschmack etwas dabei war und der Abend also sehr fröhlich und sehr abwechslungsreich verlief – an einem Punkt sogar mit einem männlichen Stripper auf dem größten der vielen Floors.

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Laguna de Guatavita Vol.3

Nachdem wir dann einmal halb um die Lagune rumgelaufen waren, gingen wir auf der anderen Seite wieder runter, wo uns schon unser „Taxi“ erwartete. Dort war auch ein Kalb, mit dem ich natürlich sofort ein Bild machen musste, auch, wenn es anscheinend nicht so interessiert an mir war wie ich an ihm…

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Nach einer langen Heimfahrt habe ich dann mal berechnet, wie viel ich an dem Tag nun insgesamt ausgegeben hatte für Fahrten, Eintritte und Essen und kam auf gerundet 60.000 COP, was umgerechnet ca. 17 Euro sind. Die Preise hier sind schon echt der Hammer manchmal.

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Laguna de Guatavita Vol.1

Da ich mir mal wieder seeehr viel Zeit mit dem Hochladen gelassen hab, ist so ziemlich alles was jetzt folgt schon sehr veraltet, aber trotzdem schön…

Die „Laguna de Guatavita“ ist eine Lagune im Krater eines Berges ein Stück außerhalb von Bogotá.

Um dorthin zu kommen, haben wir (Luisa, Annemie, Sanja und ich) uns in der Nähe meiner Schule getroffen, da von dort der Bus ins Dorf Guatavita abfuhr. Leider waren nur die Angaben zum genauen Abfahrtsort mal wieder sehr kolumbianisch ungenau, woraufhin uns auf Nachfrage von verschiedenen Leuten verschiedene Dinge erzählt wurden, bis wir den Bus endlich fanden.

Die Hinfahrt dauerte ca. 2 Stunden bis nach Guatavita – ein unglaublich schönes Dorf mit idyllischen weißen Häuschen. Von dort mussten aber noch mit dem Taxi eine halbe Stunde weiter bis zur eigentlichen Lagune. Und wenn ich sage Taxi, dann meine ich einen alten, klapprigen VW, dessen Vordersitz (mein Sitz), nicht richtig befestigt war und der die ganze Zeit hin und her schwankte, und auf dessen Rücksitz keine Gurte waren, wobei das eh keinen großen Unterschied gemacht hätte, da sich die vier anderen Mädels eh so eng auf den Rücksitz gequetscht haben, dass da gar kein Platz zum Anschnallen gewesen wäre.

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Die Fahrt verlief dann gewohnt ruckelig und zum Glück nur leicht angsteinflößend, bis wir am Ticketschalter ankamen, wo wir erst mal im kleinen Imbiss eine Essenspause einlegten.

Besagter Imbiss verkaufte ebenfalls allerlei Schmuck, Kleidung u.ä. und unter anderem folgendes Bild, welches ich am liebsten mitgenommen hätte:

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Nachdem wir etwas gegessen hatten, kauften wir dann unsere Tickets und begannen die geführte Tour, die es natürlich nur auf Spanisch gab und von der wir dementsprechend wenig verstanden. Nach etwas googlen meinerseits wurden wir allerdings zumindest so schlau, dass nach einer Legende des Indianervolkes Muisca der See von Schlangengottheiten bewohnt sein solle und sich an diesem See die Eldorado-Saga abspielte.

Mit der Tour kletterten wir also einmal den Berg hoch, bis zu verschiedenen Aussichtsplattformen mit atemberaubendem Blick nicht nur auf die Lagune, sondern auch auf die umliegenden Berge. Die Natur hier in Kolumbien ist schon echt ziemlich geil, wenn ich das mal so sagen darf. 

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Auf Umwegen nachhause

Neulich bin ich auf dem Nachhauseweg ausversehen in die falsche Transmilenio eingestiegen. Besagter Bus – C17 anstatt C15 – hält nämlich nicht bei mir (Niza Calle 127), sondern erst eine weiter (Suba – AV Boyacá). Im Bus wurde mir dann wieder einmal sehr bewusst, dass die Leute hier alles tun, um sich irgendwie hinsetzen zu können:

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(Sehr verwackelt, aber man erkennt, was drauf ist.)

Von Avenida Boyacá aus war es dann ca. eine halbe Stunde zu laufen (zum Glück bergab), aber die Aussicht war fantastisch.

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Amor y amistad

Letzte oder vorletzte Woche war hier die Woche von „Amor y amistad“ (Liebe und Freundschaft), was sowas ähnliches ist wie der Valentinstag, nur dass halt die ganze Woche auf den „día de amor y amistad“ hingearbeitet wird und es eben nicht exklusiv für Liebespaare, sondern auch Freunde ist.

In dieser Woche wurden alle Namen der Leute aus der Sprachschule verlost und für die Person, die einem zugelost wurde (in meinem Fall Li, eine Chinesin aus einem der anderen Kurse), musste man dann jeden Tag eine kleine Schokolade oder sowas kaufen und auf einen Zettel den Namen der Person und eine Information über sich selbst schreiben. Ich war in dem Fall Li’s „amiga secreta“ und mit den Informationen über mich musste sie dann am Freitag, als alle Leute aus der Sprachschule versammelt waren, mich erraten.

Das war eigentlich ‘ne ganz Süße Angelegenheit und da man am Freitag ein etwas größeres Geschenk machen sollte, habe ich jetzt einen total schönen neuen Schal.

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Estación Flores

Jeden Morgen auf dem Weg zur Schule steige ich an der Transmilenio Station „Flores“ aus und auf dem Heimweg dort natürlich auch wieder ein. Mal ganz davon abgesehen, dass ich die Transmilenios auf den Tod nicht leiden kann, weil sie so unglaublich überfüllt sind, dass man die meiste Zeit ungelogen von allen Seiten an andere Menschen gepresst ist (ich will wirklich nicht so genau wissen, was ich da einige Male schon an meinen Hintern gepresst gefühlt hab), sind sie auch sehr viel schneller als die normalen Busse, weil sie ihre eigene Spur haben, was morgens sehr von Vorteil ist.

Auf dem Heimweg, beim Warten auf den Richtigen Bus, blicke ich dann immer auf die Berge, von denen wir gar nicht so weit entfernt sind, und auf den wunderschönen Blumenmarkt, von dem die Haltestelle vermutlich auch ihren Namen hat.

Die Blumen erkennt man leider nicht sooo gut, aber ein Versuch war’s wert:

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Nueva Lengua

Nun habe ich mich ja seit etwa 6 Wochen nicht mehr zurück gemeldet, weil ich zu beschäftigt und/oder zu faul war, aber jetzt kommt endlich ein neues Update.

Ich bin nun seit etwas über einem Monat in der Sprachschule „Nueva Lengua“ im schönen Stadtteil Quinta Camacho und dort sehr glücklich. Die Sprachschule ist relativ klein, mit ca. 5 Klassenräumen, aber unglaublich toll. Es gibt eine Schule in Bogotá, Medellin und Cartagena und ich werde vermutlich Ende November für eine Woche meinen Kurs an die Schule in Cartagena transferieren, um die Karibikküste Kolumbiens kennen zu lernen.

Der Unterricht an der Sprachschule macht mir total Spaß, was ich echt nicht gedacht hätte. Es geht jeden Morgen um 9 los, außer in den Wochen, wo ein Feiertag ist, da geht es um 8 los, um den fehlenden Tag zu kompensieren.

Von 9 haben wir dann bis 12 Uhr Grammatikunterricht mit kleinen Pausen dazwischen. Am ersten Tag kriegt man immer einen Hefter und im Laufe der Unterrichtsstunden dann verschiedene Materialien, alles natürlich im Preis inbegriffen. Die Materialien hier sind total cool, weil sie recht personalisiert sind und viele Übungstexte z.B. den Tagesablauf (zur Übung der reflexiven Verben) eines der Lehrer an der Schule beschreibt.

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(Nicht das schönste aller Bilder, aber gut um meinen jetzigen Kurs vorzustellen, von links nach rechts: Shu (China), Klaudia (Polen), ich, Liliana (die Lehrerin), Yuan (China), Tonia (Deutschland/Spanien), Artemis (Griechenland/Schweiz), Ruslan (Russland) und Evelina (Schweden).)

Wenn der Grammatikteil abgeschlossen ist, findet ein Lehrerwechsel statt und von 12 bis 13 Uhr haben wir dann noch eine Kommunikationsstunde, in der es hauptsächlich einfach darum geht, Unterhaltungen zu führen, um die Angst vor dem Sprechen zu verlieren. In dieser Kommunikationsstunde lernen wir allerdings oft auch andere Dinge, z.B. typisch kolumbianische Gesten und Ausdrücke, die bekanntesten Interpreten und Lieder in Kolumbien und welche Lieder man sich zum Spanischlernen gut anhören kann etc. Es ist vor kurzem ein Film namens „Amazonas“ rausgekommen über eine Engländerin, die mit ihrem Mann in den 80ern oder so nach Kolumbien gezogen ist und hier lange Zeit mit den Eingeborenen gelebt hat. Diese Frau, über die die Dokumentation ist, war auch neulich bei uns in der Schule und in der Kommunikationsstunde haben wir dann an dem Tag ihr zugehört, wie sie ein wenig über ihr Leben erzählt hat, und konnten ihr danach Fragen stellen.

Alle zwei Wochen wechseln dann die Lehrer, um für ein bisschen Abwechslung zu sorgen.

Nach dem Unterricht gibt es dann allerlei kulturelle Aktivitäten, denen man nachgehen kann. Jeden Montag geht Javier, einer der Koordinatoren, durch die Klassen, um das Programm für die Woche vorzustellen. Es gibt immer ein reichhaltiges Angebot, das von Woche zu Woche wechselt, wobei einige Dinge, wie Salsaunterricht oder der Kochkurs jede Woche stattfinden. Ansonsten werden Fahrradtouren, Reiten auf Mauleseln, Ausflüge zu den verschiedenen Nationalparks rund um Bogota, Essensausgabe für Bedürftige und vieles mehr angeboten, wobei einige Dinge natürlich kostenpflichtig sind, z.B. der Trip zur Salzkathedrale, den ich mitgemacht habe, von dem ich aber später noch berichten werde.

Neulich war auch ein Eingeborener in der Schule, der bunte, handgefertigte und für die „indigenas“ traditionellen Ketten verkauft hat. Ich wurde gefragt, ob ich mit einer der Ketten fotografiert werden könne für die Facebook-Seite der Schule und nachdem ich mir eine Kette zum Fotografieren aussuchen konnte, musste ich die dann auch kaufen, weil sie einfach unglaublich schön ist.

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Die Lehrer und die anderen Mitarbeiter an der Sprachschule sind unglaublich nett und hilfsbereit und alle auch noch relativ jung, weshalb immer eine entspannte, fröhliche Atmosphäre herrscht. Im Büro kann man auch immer bei allem um Hilfe bitten, egal ob man nun einen Job sucht und sich erkundigen will oder ein Visum beantragen muss, einem wird immer geholfen und im Falle des Visums konnte ich das dann gemeinsam mit einer Mitarbeiterin Schritt für Schritt machen.

Letztendlich lässt sich zur Schule noch erwähnen, dass sie in einer sehr schönen Gegend liegt, mit vielen kleinen Parks, Restaurants und Bars ringsrum, weshalb man auch gut nach der Schule, wie an meinem ersten Tag, mit ein paar Leuten ein Bierchen trinken oder etwas Essen gehen kann. Da die anderen Schüler/Studenten an der Sprachschule auch immer offen für neue Leute sind, findet man in der Regel total schnell zueinander und ich habe mittlerweile unglaublich viele Menschen von jedem Fleck der Erde kennen gelernt, mit den kuriosesten Geschichten, wie sie nach Bogotá gekommen sind – langweilig wird einem da nie.

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Blick aus einer in der Nähe der Schule gelegenen Empanadas-Bude

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Blick in die Straße, in der Nueva Lengua gelegen ist.

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Als ich neulich keine Lust auf Transmilenio hatte und auf den Bus wartete, erwartete mich diese Szene: aus unerfindlichen Gründen blockierten ein Bus und ein Auto mehr oder weniger die gesamte Fahrbahn, weshab sich alle anderen Busse und Autos über den Bürgersteig an ihnen vorbeischlängeln mussten…